Kultur - Riva-del-Garda 10.87E | 45.87N 66m

Torbole im windigen Norden des Gardasees


Ein Eldorado für Wassersportler

 
Wo sich alpine und mediterrane Landschaft vermählen: im Norden des Gardasees

An den Ausläufern des Monte Baldo, dort, wo die Sarca in den Gardasee mündet, liegt das quirlige Torbole.

Das einstige Fischerdorf, das im Gegensatz zu Riva und Arco auf keine ereignisreiche Geschichte zurückblicken kann und das bis zur Erfindung des Surfbretts auch keiner großen Zukunft entgegenzublicken schien, zählt heute zu den beliebtesten Treffpunkten der Wassersportler. Während die Windsurfer und Segelboote im benachbarten, von wuchtigen Felsen eingerahmten Riva im mäßigen Tempo über das Wasser gleiten, können sie hier dem rasanten Spiel mit Wind und Wellen frönen – Torbole ist nämlich nahezu ein Garant für starke Winde. (1)

 

Bei Torbole mündet der Fluss Sarca in den Gardasee

Als die ersten Windsurfer nach Torbole kamen...

Wenngleich schon in den 1970er Jahren die ersten Wellenreiter am Gardasee gesichtet wurden, sollte diese amerikanische Trendsportart hierzulande erst in den frühen Achtzigern so richtig Fuß fassen.

Die damaligen Windsurfer gingen es aber im wahrsten Sinne des Wortes ruhig an: Steif auf ihren 4 m langen Brettern stehend, ließen sich die damals noch „Stehsegler“ genannten Sportler von linden Lüftchen treiben. Demgemäß suchten die meisten von ihnen den lauen Süden des Gardasees auf, ins windstarke Torbole wagten sie sich indes nicht – noch nicht: Nachdem die Bretter gekürzt, mit Fußschlaufen versehen und mithin bei hohem Tempo für akrobatische Sprünge tauglich gemacht worden waren, wuchs Torbole zum wahren Hotspot für Windsurfer heran. Seither geben sich hier insbesondere von Ostern bis September zahlreiche Windsurfer dem Rausch der Geschwindigkeit hin.

 

Die wärmenden Strahlen der Sommersonne tauchen den Gardasee in ein berückendes Licht

Details am Rande

Wie einfach und karg das Leben in Torbole dereinst gewesen sein muss, geht auch aus dem Bericht des deutschen Schriftstellers Julius R. Haarhaus aus dem Jahre 1896 hervor. Darin beschrieb er Torbole als einen ziemlich unfreundlichen Ort mit schmutzigen Häusern und engen Höfen. Auch Goethe erklärte, dass man „dem Naturzustande hier ziemlich nahe“ komme, rühmte aber zugleich den fantastischen Ausblick: „Man übersieht den See beinah in seiner ganzen Länge […] Das Ufer, auf beiden Seiten von Hügeln und Bergen eingefaßt, glänzt von unzähligen kleinen Ortschaften.“ (2) Heute indes präsentiert sich Torbole als attraktives Ferienziel, das sich mit seinen einladenden Stränden, farbigen Häusern, Cafés, Läden etc. den vorwiegend jungen und sportiven Gästen angepasst hat.

 

Wegen der Vielzahl von Wassersportlern ist das Kitesurfen zwischen Riva und Torbole nur in den Wintermonaten und einigen sehr eingeschränkten Zeiträumen erlaubt. Außerdem dürfen im Trentiner Teil des Sees keine privaten Motorboote verkehren.

 

(1) Der Gardasee gilt als das windsicherste Binnengewässer Europas. In Torbole greift zudem eine Art Düseneffekt: Da der Gardasee gegen Norden hin schmaler wird, wird die warme Luft aus dem Süden durch das enge Tal gepresst und gewinnt so an Stärke.

(2) Zit. n.: Goethe, Johann Wolfgang von: Gesammelte Werke in sieben Bänden, 7. Band, Gütersloh: Bertelsmann 1957, S. 81f.

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