St. Lorenzen im Pustertal - Die archäologische Schatzkammer bei Bruneck

Das 'kleine Tor zu den Dolomiten'

St. Lorenzen
St. Lorenzen

Am Zusammenfluss von Gader und Rienz liegt die Marktgemeinde St. Lorenzen.

Sie blickt auf eine lange und v. a. kontinuierliche Siedlungsgeschichte zurück, die sich bis in die späte Jungsteinzeit zurückverfolgen lässt. Die damaligen Siedler bewohnten allerdings nicht die Talsohle, sondern die umliegenden sonnenverwöhnten Anhöhen, die ihnen Schutz vor den mitunter gefährlichen Wassern der Rienz boten und ihnen reiche Ernten bescherten.

Einen Aufschwung erfuhr die Gegend unter römischer Herrschaft: Nachdem sich die Römer gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. den restlichen Alpenraum einverleibt und auch hier ein ausgeklügeltes Straßennetz angelegt hatten, wuchs die nunmehrige „mansio (2) Sebatum“ zu einem verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Knotenpunkt heran. Gefundene Überreste von Fußbodenheizungen, Bädern u. dgl. lassen auf einen relativ hohen Wohlstand der damaligen Bewohner schließen.

Mit dem allmählichen Niedergang des Weströmischen Reiches aber neigte sich auch die Blütezeit des Marktortes im Zuge des 5. Jahrhunderts ihrem Ende zu: An die Stelle der ansehnlichen römischen Gebäude traten zunehmend einfache Wohnhäuser, während sich Teile der Bevölkerung dauerhaft auf die geschützte Anhöhe des Lothener Burgkofels zurückzogen.

Im Laufe des Mittelalters aber sollte der Marktort erneut zu einem wirtschaftlichen und geistigen Zentrum heranwachsen, welches das benachbarte Bruneck an Bedeutung übertraf.

 

Römischer Meilenstein in St. Lorenzen
Römischer Meilenstein in St. Lorenzen

Details am Rande

Der römische Name Sebatum, der sich noch in der heutigen italienischen Ortsbezeichnung „San Lorenzo di Sebato“ niederschlägt, rührt übrigens vom norischen Stamm der Saevates her, die das Gebiet in der jüngeren Eisenzeit besiedelten.

Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden in dieser Gegend die ersten archäologischen Funde ans Tageslicht befördert. Später sollten noch viele weitere folgen. Mit besonders interessanten Fundstücken wartet das interaktive und multimediale Archäologiemuseum „Mansio Sebatum“ auf, das sich insbesondere, aber nicht ausschließlich, der Römerzeit verschrieben hat.

Besonders sehenswert ist auch die doppeltürmige Pfarrkirche zum heiligen Laurentius, die u. a. eine Muttergottes des namhaften Brunecker Malers und Bildhauers Michael Pacher beherbergt (es handelt sich übrigens um jene mit dem traubenessenden Jesuskind).

 

(1) Das "kleine Tor zu den Dolomiten" - Dieses Attribut verdankt es übrigens der Straße, die an St. Lorenzens Südende ins Gadertal abzweigt.

(2) Das weitverzweigte Straßennetz war einer der Eckpfeiler der römischen Expansionspolitik. An der „via publica“, der damaligen „Staatsstraße“, wurden im Abstand einer Tagesreise Wechsel- und Raststationen, sog. „mansiones“, angelegt, die in aller Regel auch mit Bädern, Postquartieren, Handwerksbetrieben etc. ausgestattet waren. Daneben fanden die Reisenden alle 17km kleinere Pferdewechselstationen mit einfachen Unterkünften vor.

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