Die Grotten des Catull in Sirmione am Gardasee

'Grotte di Catullo' - Ein herrschaftliches römisches Anwesen, das seinesgleichen sucht

Arkaden in den Grotten des Catull
Arkaden in den Grotten des Catull

Das am Südufer Sirmiones liegende Anwesen Grotten des Catull zählt zu den wichtigsten Touristenattraktionen der Halbinsel. Anders als der Name vermuten lässt, findet der Besucher keine Grotten vor, sondern die Überreste einer weitläufigen römischen Anlage, die bereits im ersten vorchristlichen Jahrhundert angelegt und im ersten nachchristlichen Jahrhundert grundlegend erneuert wurde.

Es handelt sich vermutlich um die Überreste eines einstmals dreistöckigen, mosaik- und freskengeschmückten herrschaftlichen Wohnsitzes, von dem im Wesentlichen nur die Untergeschosse die Zeiten überdauert haben. Prachtvoll ausgestattet, verfügte er überdies über einen 158 m langen, überdachten Säulengang zum Lustwandeln und ab dem 2. Jahrhundert auch über eine Thermalanlage, die über Bleirohre mit den heilsamen Schwefelwassern der Boiola-Quelle gespeist wurde.

Nicht nur die Ausmaße und die reiche Ausstattung, sondern auch die privilegierte Lage auf dem ausgedehnten Olivenhain über dem See lassen auf den Reichtum der damaligen Besitzer schließen.

 

Nach dem namhaften römischen Dichter Catull benannt
Nach dem namhaften römischen Dichter Catull benannt

Was es mit dem Anwesen Grotten des Catull und seinem Namensgeber auf sich hat...

Über ebendiesen Reichtum mag der römische Dichter Catull, der lange als der Besitzer dieses herrschaftlichen Wohnsitzes gegolten hatte, nicht verfügt haben. Diese (mit anzunehmender Sicherheit) irrtümliche Annahme rührt von seinem carmen 31 her, in dem das heimkehrende lyrische Ich (und nicht der Autor!) Sirmione als „ocelle“, als „Perle“, besingt. Da es sich darin auch als „Herr“ der Insel bezeichnet, nahm man an, dass Catull hier, im herrschaftlichsten und schönsten Anwesen Sirmiones, gelebt habe. Mittlerweile aber ist man davon abgegangen, das Werk wörtlich zu nehmen.

Der Altphilologe Niklas Holzberg etwa ordnet dieses carmen der Spottdichtung zu und liest es weniger als Heimkehrhymnus als vielmehr als erotisches Gedicht. So gelesen preist das lyrische Ich nicht die Heimat an sich, sondern das Bett, das sie für seine amourösen Abenteuer bereithält – Catullkenner mögen ihm Recht geben... (1)

 

Die Grotte di Catullo, die größte und besterhaltene römische Villa Norditaliens
Die Grotte di Catullo, die größte und besterhaltene römische Villa Norditaliens

Details zu den Grotten des Catull 

Der irreführende Begriff Grotte kam übrigens in der Renaissance auf: Als er die in sich zusammengebrochene und überwucherte Anlage erblickte, hat sie ein Chronist als solche bezeichnet.

Bei den Grotten des Catull handelt es sich um die größte und besterhaltene römische Villa des nördlichen Italiens.

Heute findet sich in der Nähe des Eingangs auch ein Museum, das mit Informationen zur Anlage und zahlreichen Fundstücken, die bei den Grabungsarbeiten vor Ort, in Sirmione und in anderen Gebieten des Gardasees zutage gefördert wurden, aufwartet.

 

(1) Vgl. Niklas Holzberg: Heimkehr zur Geliebten: Catulls Sirmio-Gedicht, in: Thomas Bremer/Titus Heydenreich (Hg.): Zibaldone. Zeitschrift für italienische Kultur der Gegenwart, 36/2003, S. 33-40.

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