Fehde auf der Sonnenburg - Cusanus versus Äbtissin

Die Sonnenburg im Zentrum einer weitreichenden kirchenpolitischen Auseinandersetzung

Sonnenburg bei St. Lorenzen

Mitte des 15. Jahrhunderts entbrannte ein erbitterter Streit zwischen dem damaligen Brixner Bischof Cusanus und der Äbtissin der Sonnenburg Verena von Stuben. Cusanus, der sich der Beseitigung kirchlicher Missstände verschrieben hatte und für die Rückbesinnung auf die eigentlichen christlichen Werte eintrat, reiste quer durch Europa, um die Kirche zu reformieren. Verena von Stuben aber, die sich des Schutzes des einflussreichen Landesherrn Sigmund des Münzreichen gewiss war, setzte sich entschieden gegen sein Reformprogramm zur Wehr.

Der Konflikt gipfelte schließlich in der Verhängung des Kirchenbannes über Verena und des Interdikts über das Kloster. In der Folge blieben den Nonnen alle gottesdienstlichen Handlungen untersagt.

Doch die streitbare Äbtissin sollte sich noch nicht geschlagen geben: Sie rief erneut Sigmund zu Hilfe, dem selbst an der Schwächung des beflissenen Bischofs gelegen war (1).

Nach bewaffneten Auseinandersetzungen und einer publizistischen Hetzjagd gegen Cusanus, im Zuge derer er gar um sein Leben bangen musste, endete die Kontroverse schließlich mit der Abdankung Verenas. Doch auch Cusanus’ Bemühungen blieben letztlich erfolglos: Wenngleich er de jure Bischof von Brixen blieb, zog er sich angesichts des erbitterten Widerstandes seiner sowohl weltlichen als auch geistlichen Gegner nach Rom zurück und überließ die Geschäfte einem Amtsverweser.

 

Sonnenburg

Details am Rande

Wenngleich sie letztlich viel weitere Kreise ziehen sollte, ist diese Auseinandersetzung doch beispielhaft für die immer wiederkehrenden Reformbestrebungen des Klosterlebens: Da es zumeist Adelige waren, die ins Kloster eintraten, versuchten einige von ihnen, ihren bisherigen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Insbesondere die strenge Klausur und die zahlreichen Speisevorschriften nebst strengen Fastentagen boten immer wieder Anlass zu Kontroversen.

Einige Nonnen und Mönche erwiesen sich dabei als äußerst einfallsreich, wenn es galt, die strikten Regeln zu umgehen. So gaben sie sich beispielsweise dem Genuss von Geflügel hin, da der heilige Benedikt angeblich nur den Verzehr vierfüßiger Tiere verboten hatte. Andere wiederum zählten den Biber ob seines vermeintlich schuppigen Schwanzes zu den Fischen, deren Verzehr erlaubt war...

 

Im Kirchenstaat arbeitete Cusanus übrigens an einem Programm zur Generalreform der Kirche, das aber letztlich ebenso erfolglos blieb. Mithin scheiterte der ansonsten hochangesehene Humanist in einem der letzten großen Kämpfe um die Vorherrschaft zwischen weltlicher und geistlicher Macht. In seiner Verbitterung soll er sich an den damaligen Papst Pius II. gewandt haben, um ihm sein Leid zu klagen und ihm seinen Rückzug aus den bischöflichen Ämtern in Brixen zu verkünden. Als Grund nannte er insbesondere die korrupte Kurie, die nichts als Karriere und Habsucht im Sinne habe und all seine Bemühungen im Keim ersticke.

 

(1) Cusanus erkannte ihn nämlich nicht als Landesherrn an; außerdem suchte er den weiteren Ausbau seiner Landeshoheit zu verhindern.

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