Kurort Meran

Pioniere und Widerstände

Wenngleich Merans Aufstieg zur mondänen Kurstadt das Verdienst diverser weitblickender und engagierter Persönlichkeiten war, seien vorerst nur folgende drei genannt:

Einer der wohl wichtigsten Pioniere war der vorausschauende Bürgermeister Josef Valentin Haller, der in der Ausweitung des Fremdenverkehrs und der Intensivierung des Kurwesens den Ausweg aus der Verschuldung und zugleich den Weg in eine prosperierende Zukunft erkannte. Während seiner Amtszeit (1823-1861) wurden u. a. richtungsweisende Infrastrukturen geschaffen, die Kurverwaltung ins Leben gerufen und der Schuldenberg um mehr als ein Drittel abgebaut. Kurzum: Unter seiner Federführung wurde jener Umschwung eingeleitet, der das verschuldete und nahezu in Vergessenheit geratene Meran zu einer Kurstadt von Weltrang aufsteigen ließ.

 

Tatkräftige Unterstützung erfuhr Haller durch den Münchner Literaten und Maler Joseph Friedrich Lentner, der zunächst wegen seines Lungenleidens nach Meran gekommen war. Alsbald aber hegte er so große Zuneigung zu Land und Leuten, dass er dauerhaft hier verweilte. Merans Potential erkennend, bewarb er es in Zeitungen, trat für die Verbesserung der Spazierwege ein, suchte persönlich, den Gästen ihren Aufenthalt so komfortabel wie möglich zu gestalten, und avancierte schließlich zum Direktor der Kurverwaltung.

 

Ein weiterer Mitstreiter des Bürgermeisters war Bernhard Mazegger, Tirols erster Fachmann auf dem Gebiet der homöopathischen Heilmethode. 1840 eröffnete er in Obermais die erste hiesige Fremdenpension samt Kuranstalt – genau genommen handelte es sich um Südtirols erste Kaltwasserheilanstalt, welche im Frühling fernerhin Molke- und im Herbst Traubenkuren aufbot. Außerdem rührte Mazegger kräftig die Werbetrommel und trat für den (Aus-)Bau öffentlicher Anlagen und Spazierwege ein.

 

Wenngleich Haller und seine Mitstreiter letztlich Recht behalten sollten, mussten sie zunächst gegen hartnäckigen Widerstand ankämpfen: Quasi dem Aufruf des Brixner Bischofs folgend, der das "sittliche Verderben des Landes" durch den Fremdenverkehr prophezeite, fürchteten konservative Kreise den Verfall der Sitten und der Glaubenseinheit durch das Kurwesen. Erst mit zunehmendem Wohlstand sollte der jahrzehntelange Widerstand allmählich erlöschen...

Details am Rande

1855 konstituierten Meraner Hoteliers und Gastronomen die weltweit zweite Kurverwaltung; im selben Jahr trat die erste Kurordnung in Kraft. Erst jetzt war Meran offiziell zu einem „Kurort“ aufgestiegen.

Ähnlich wie heute wurde fortan eine Kurtaxe erhoben, die zunächst für den Bau eines Gesellschaftsraumes und von Spazier- und Wandelwegen eingesetzt wurde.

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