Die Kurstadt Meran

Kurioses aus vergangenen Zeiten

Der Wiener Arzt Johann Nepomuk Huber, der als einer der Ersten Merans positive Auswirkungen auf die Gesundheit beschrieb, legte übrigens einen mehrmonatigen Aufenthalt in der Passerstadt nahe. So erklärte er, „[…] daß durch kluge Benützung klimatischer Verhältnisse viele Kranke geheilt, noch Mehrere aber am Leben erhalten werden […] um so eindringlicher muß ich es wiederholen, daß solche Vortheile nicht im Fluge erhascht, sondern nur durch Ausdauer erreicht werden können. […]“ (1) De facto verweilten die meisten Gäste anfänglich mehrere Monate in Meran.

 

Um den noblen Gästen einen exklusiven und erholsamen Kuraufenthalt zu gewährleisten, nahm schließlich die „Curpolizei“ ihren Dienst auf. Aus Rücksicht auf die Lungenkranken achtete sie u. a. darauf, dass auf den Promenaden zu bestimmten Zeiten nicht geraucht wurde bzw. Frauen mit ihren langen Röcken und Schleppen keinen Staub aufwirbelten.

Befremdlich mutet die „Promenaden-Ordnung“ aus dem Jahre 1884 an, in der u. a. erklärt wird, dass die Promenaden, Kurgärten und Anlagen in erster Linie den Kurgästen und Touristen vorbehalten seien. Zwar hätten auch die Einheimischen des Kurbezirkes Zutritt, doch müssten diese bei hohem Andrang den Kurgästen die Sitzbänke überlassen. Außerdem hätten die Aufsichtsorgane dafür Sorge zu tragen, dass sich hier keine Personen einfänden, welche durch ihre Kleidung oder ihr Betragen Anstoß erregen könnten. Kinder hingegen dürften lediglich auf den ihnen zugedachten Sitzplätzen Platz nehmen.

 

Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) ist im Volksmund vornehmlich als „Sissi“ bekannt. Genau genommen aber müsste es „Sisi“ heißen. Das historisch unkorrekte Doppel-s hat sich erst seit Ernst Marischkas berühmter Verfilmung eingebürgert. Die Kaiserin selbst soll sich übrigens nicht „Sisi“, sondern „Lisi“ genannt haben.

1870 erschien Kaiserin Sisi in Begleitung ihres „allernotwendigsten Hofstaates“: Mit den diversen Hofdamen, Kammerdienern, Leibärzten, Lakaien, Gouvernanten, Kammertürhütern, Boten, Köchen, Tafeldeckern, Hofreitknechten, Hof-Telegraphenamts-Offizialen etc. brachte sie es auf ein stolzes Gefolge von 113 Personen. Ähnlich imposant ist der Hype, den bereits ihre ersten beiden Aufenthalte auslösten: Hatten sich in der Saison 1868/69 noch 3102 Gäste in Meran eingefunden, waren es 1871/72 bereits 4936.

Während ihres zweiten Meranaufenthaltes berichtete der „Bote für Tirol und Vorarlberg“ täglich von den Unternehmungen der Kaiserfamilie. Die Berichte beliefen sich allerdings auf reine Schilderungen – Privates gab die menschenscheue Kaisern nämlich nicht von sich preis.

 

Von 1907 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden auf der Kurpromenade „Damenschönheitswettbewerbe“ ausgetragen, anlässlich derer sich Frauen aus aller Welt in Meran einfanden, um mit Koketterie oder Extravaganz zu bezaubern. Den glücklichen Gewinnerinnen winkten übrigens goldene Armbänder und seidene Sonnenschirme.

 

Während des Ersten Weltkrieges lag der Tourismus in Meran nahezu brach. Die einstmals mondäne Kurstadt hatte sich in eine Lazarettstadt verwandelt. Zunächst aber versuchten die Verantwortlichen, den Fremdenverkehr mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. So wurde etwa ein Promenadenverbot für verwundete und kranke Soldaten erlassen, um den Gästen ihren dortigen Aufenthalt nicht zu verleiden. Angesichts der zunehmenden Lebensmittelknappheit aber wurde bald Kritik an den wenigen, verbliebenen Kurgästen und ihrem dekadenten Lebensstil laut.

Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Meraner Tourismuswelt einschneidend: Dauergäste, die sich mehrmals am Tag umzogen und sich ganz dem Müßiggang und der Erholung hingaben, gehörten nun der Vergangenheit an. Stattdessen rückten Merans Umgebung und seine Bergwelt zunehmend in den Vordergrund. Hatten die meisten Reisenden mit den Bergen einstmals nur Strapazen und Gefahr assoziiert, wurden bereits im Sommer die ersten Bergsteiger in Meran gesichtet.

 

 

(1) Zit. n. Johann Nepomuk Huber: Über die Stadt Meran in Tirol, ihre Umgebung und ihr Klima nebst Bemerkungen über Milch-, Molken- und Traubenkur und nahe Mineralquellen, Wien 1837, S. 42.

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